Allgemein, Training

Profibodybuilder Ben Pakulski und Szene-Guru Lyle Mc Donald. Zwei Größen unseres Sports wie sie genau genommen unterschiedlicher nicht sein könnten, äußern sich zum Thema Hyperplasie

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Hypertrophie und Hyperplasie

Ich denke jeder der mehr als 4 Wochen aktiv in der Fitness- und Bodybuilding-Szene zugebracht hat sollte schon einmal über den Begriff „Hypertrophie“ gestolpert sein. Er ist das auserkorene Ziel von Breiten- aber auch Leistungssportlern in Hinblick auf Skelettmuskulatur. Per Definition handelt es sich dabei um die Vergrößerung eines Gewebes oder Organs durch Zellvergrößerung bzw. Zunahme des Zellvolumens. In einem Wort ausgedrückt geht es bei Hypertrophie um das Dickenwachstum bestehender muskulärer Einrichtungen.

Bei Muskelhypertrophie findet keine Neubildung von Muskelfasern statt! Mechanische Reize, metabolischer Stress, Mikrotraumata aber auch eine trainingsinduzierte Zellschwellung gelten als eigenständige Faktoren die Hypertrophie begünstigen. Letztlich funktionieren wird das Ganze aber nur, wenn auch die entsprechende nutritive Versorgung sowie der wichtige Faktor Regeneration entsprechend abgedeckt sind. (40:30:30-Regel)

Interessant
Auch Fettzellen hypertrophieren – DIESE Art von Hypertrophie versuchen wir jedoch zu vermeiden, wobei HBN eine große Hilfe darstellt

Hyperplasie ist nun der Vorgang der bei Hypertrophie verwährt bleibt! Per Definition bezeichnet Sie die Vergrößerung eines Gewebes oder Organs durch Zunahme der Zellzahl. In Bezug zum Skelettmuskel wäre Hyperplasie also tatsächlich die Möglichkeit, Muskelzellen zu mehren die ihrerseits dann wieder hypertrophieren können – EIN ENORMES POTENTIAL WÜRDE DIES WIRKLICH KLAPPEN und in der Tat führt man das genetische Potenzial einer Person mitunter auf die in die Wiege gelegte Anzahl an Muskelfasern pro Muskel zurück. Die „Gesegneten“ verfügen von Grund auf über ein mehr Fasern die sie zum hypertrophieren bewegen können, während sich die „Nicht Gesegneten“ hiermit bedeutend schwerer tun dank weniger Muskelfasern in der Anlage.

Fazit

Hypertrophie bezeichnet das Dickenwachstum – Hyperplasie die Neubildung von Muskelfasern

Hyperplasie in der Wissenschaft – nach McDonald

Laut McDonald ist Hyperplasie durchaus möglich. Erste Tierversuche gab es schon vor einigen Jahren. Diese waren allerdings noch an unglückliche Bedingungen geknüpft: Zählen jeder einzelnen Muskelfasern oder schlichtweg praxisfern (24h stretching). Eine der ersten Humanstudien, durchgeführt im Jahre 1999 von Kadi et al. wies mit Training nach der Untersuchung eine höhere Muskelfaserzahl bei Powerliftern im Trapez nach. Allerdings bekam die Gruppe im Gegensatz zu der Placebogruppe anabole Steroide und Kadi et al. schlussfolgerten, dass die Steroide zusammen mit Krafttraining neue Muskelfasern bilden konnten. [1] Eine andere Forschergruppe ging mit diesem Ergebnis nicht ganz konform und sprach sich für einen Defekt der Faserregeneration aus. [2]

Alles in allem spricht sich McDonald für die Hyperplasie aus und sieht bei diesem Phänomen Sattelitenzellen und Myoblasten mit involviert. Er hebt in diesem Zusammenhang die Bedeutung anaboler Steroide hervor, da der Missbrauch anaboler Steroide ein Hauptgrund für die Erhöhung der Muskelfaserzahl sei. McDonald tätigt keine klare Aussage über das Potential der Hyperplasie, weist aber darauf hin, dass es möglicherweise nur gering ausfallen könne und dass der Großteil aller Fortschritte im Bereich Muskelwachstum – wie gewohnt – über die Hypertrophie vorhandener Muskelfasern zustande kommt. Studien wie die von Mac Dougall die sich für ausbleibende Hyperplasie unter „dopingfreien Normalbedingungen“ bei Bodybuildern aussprechen unterstützen diese These. [9]

Fazit

McDonald hält Hyperplasie für möglich, allerdings nicht in enormem Ausmaß. Er sieht Potenzial hierzu eher in Verbindung mit der Verwendung anaboler androgener Steroide (AAS)

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Hyperplasie nach Pakulski

Die Theorie

Im Gegensatz zu McDonald spricht sich Pakulski deutlicher für die Möglichkeit der Hyperplasie der Muskelfasern aus und nennt diesen Effekt „enorm“. Laut Pakulski ist man damit nicht mehr an die Genetik gebunden, sondern kann in mehreren Schritten mit dem sog. „Intra-Set-Stretching“ Hyperplasie auslösen und schließlich deutlichen Muskelzuwachs verzeichnen. Die Geburtsstunde von NOS-X

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*entnommern aus: http://powerexplosive.com/hiperplasia/

Schritt 1: Hypertrophie der vorhandenen Muskulatur

Schritt 2: Hyperplasie mit dem „Intra-Set-Stretching“

Schritt 3: Hypertrophie neuer Muskelfasern

Beim „Intra-Set-Stretching“ bedient man sich zweier für Muskelwachstum entscheidender Faktoren. Zum einen die Zellschwellung und zum anderen der mechanische Reiz. Wie auch McDonald, sieht Pakulski die Sattelitenzellen und Myblasten in Hyperplasie involviert. [3,4] Interessanter Weise findet sich tatsächlich Literatur zu diesem Thema. Die Rede ist mitunter vom „Stretch-Overload“ [5-8].

Hyperplasie

*entnommen aus: http://powerexplosive.com/hiperplasia/

„Intra-Set-Streching“ in der Praxis

In der Praxis sieht die Methodik des „Intra-Set-Streching“ zunächst einen Satz mit beliebigen Gewicht bis zum Muskelversagen vor. Nach der letzten Wiederholung erfolgt dann ohne Pause in derselben Übung mit demselben Gewicht ein 30-sekündiges Stretching der trainierten Muskulatur. Nach möglichst nahtloser Reduzierung des Trainingsgewichts geht es dann in einen weiteren Satz derselben Übung bis zum Muskelversagen und darauf folgende in eine weitere Dehnungsphase von 30 Sekunden nach eingetretenem Muskelversagen. Weder Sätze noch auszuführende Wiederholungen werden dabei in dieser Variante fest geschrieben.

Beispiel Intra-Set-Stretching mit Wadentraining an der Beinpresse über 3 Sätze

  1. Satz:    100 kg Muskelversagen
  2. ohne Pause: 30 Sekunden Stretching
  3. Satz:    60   kg Muskelversagen
  4. ohne Pause: 30 Sekunden Stretching
  5. Satz:    40 kg Muskelversagen
  6. ohne Pause: 30 Sekunden Stretching

Schon Pakulski weißt darauhin, dass nicht jede Übung für das „intra – stretching“ geeignet ist. Einen Übungskatalog kann man kostenpflichtig über seine Seite beziehen.

Für Trainiernde die des spanischen mächtig sind, liefert dieser Link eine weitere, nochmals eingehendere Darstellung eines Trainingsaufbaus im Intra-Set-Streching

Resümee

Zwei erfolgreiche Größen unserer Szene sprechen sich für die Möglichkeit aus, neue Muskelfasern dank gezielter Maßnahmen zu bilden – – Hyperplasie! Unterschiedliche Meinungen herrschen wenn es um das Ausmaß und die dazu notwendigen Mittel geht. Während McDonald von eher marginalen Effekten und einer beinahe zwingenden Verwendung von AAS schreibt, sieht Pakulski Hyperplasie für jedermann als möglich an, der sich der Trainingstechnik des „Intra-Set-Streching“ bedient.

Fakt ist, dass gerade für Bodybuilder das Hyperplasie zu spannend ist, um einen Versuch von Pakulskis Trainingstechnik ungetestet abzutun.

Wir freuen uns aus diesem Grund auf Eure Erfahrungsberichte

Quellen

[1] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10589853

[2] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16625366

[3] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8226539

[4] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8107539

[5] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2142581

[6] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2759948

[7] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2523374

[8] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7968431

[9] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6520032