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Alkohol – für unseren Körper eigentlich ein Toxin, eine giftige Substanz die über mehrere eigene Stoffwechselwege metabolisiert werden muss (1). Trotz dieser offenkundigen Tatsache konsumieren wir Alkohol regelmäßig, völlig legal und größtenteils auch ohne jegliche Skrupel. Die einzige Situation in der uns bewusst wird das unser Körper mit Alkohol doch ein mehr oder weniger großes Problem hat ist der Kater am nächsten Morgen nach einer alkoholreichen Nacht. Wie dem auch sei, irgendwie gehört Alkohol in unserer Gesellschaft dazu, weshalb der heutige Beitrag sich mit der Frage beschäftig wie Bier, Wein, Schnaps und Co kalorisch zu Buche schlagen und als „Alkohol-Kalorien“ zu zählen sind.

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Alkohol liefert 7 Kalorien pro Gramm… oder nicht?

Rein energetisch gesehen liefert das Gramm Alkohol 7kca pro Gramm (10, 11, 12). Welcher Wert jedoch genau anzunehmen ist, lässt sich bis dato keiner Quelle schlüssig entnehmen. Was man weiß ist, dass aller Wahrscheinlichkeit nach keine 7 Kalorien pro Gramm Alkohol gezählt werden müssen.

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Diese Faktoren beeinflussen den Brennwert von Alkohol

Mehrere Studien belegen einen hohen thermischen Effekt ausgehend von Alkohol. Es handelt sich dabei generell um den energetischen Aufwand der vom Körper betrieben muss, um Nährstoffe zu verstoffwechseln. Je höher also der thermische Effekt, desto geringer die Netto-Menge an Energie die ein Nährstoff wirklich liefert. Unter den Makronährstoffen führt Protein die Rangfolge mit einem thermischen Verlust im Bereich von 25 bis 30% an, gefolgt von Kohlenhydraten mit 6 bis 8% und letztlich Fettsäuren mit nur 2 bis 3% thermischer Wirkung (2). Laut Suter et al liegt der thermische Effekt von Alkohol (Ethanol) bei 22,5% (3) und damit durchaus in einem nicht unerheblichen Bereich nahe Protein. Passend zu diesen Zahlen zeigen Klesges et al das sich mit der Aufnahme von Alkohol der REE (Ruheenergieumsatz) erhöht (hier 124 bis 287kcal pro 24 Stunden) (13).

Cruise et al (4) stellen neben anderen Forschern die Vermutung an, Alkohol verschlechtere neben dem hohen thermischen Effekt auch die Resorption anderer Nährstoffe wie beispielsweise Zucker (13). Auch dieser Punkt wirkt sich natürlich auf die Nettoenergiebilanz in Verbindung mit der Aufnahme von Alkohol aus, wenngleich er sich nicht über eine feste Zahl X pro Gramm beziffern lässt.

Eine Eigenschaft die Protein nicht mit Alkohol teilt ist sein starker Einfluss auf die Sättigung (4). Während Protein als stark sättigender Makronährstoff bekannt ist, vermittelt Alkohol eher appetitanregende Effekte, womöglich indem er bestimmte Belohungszentren im Gehirn beeinflusst die mit der Nahrungsaufnahme zusammen hängen (5).

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Macht Alkohol dick?

Zusammen betrachtet geht es letztlich um die Frage, inwieweit Alkohol Körpergewicht und Körperzusammensetzung beeinflusst. Sayon-Orea et al beantworten diese in deren Review mit einem NEIN zumindest nicht mit niedrigen bis moderaten Mengen. Hinweise zu einem Gewichtsanstieg finden sich mit der Aufnahme höherer Mengen Alkohol insbesondere bei Spirituosen, während speziell moderate Weintrinker sich damit offenbar sogar vor Gewichtszunahme schützen (6).

Auf experimenteller Seite beobachteten Cruise et al (7) 12 schlanke Probanden zunächst 4 Wochen ohne und dann 4 Wochen mit Alkoholbeigabe. Die Alkoholmenge entsprach 630 Mehr-Kalorien, dennoch nahmen 8 der 12 Probanden Gewicht ab (0,1-26,kg). Nur 4 Probanden verzeichneten einen Gewichtsanstieg im Bereich von 0,2-1,8kg. Flechtner-Mors und Kollegen verabreichten Probanden im Rahmen einer kalorienreduzierten Diät (1500kcal) 10% der Energie entweder aus Alkohol oder Traubensaft. Effektiv ergab sich kein signifikanter Unterschied in Bezug auf die Körperzusammensetzung zwischen beiden Gruppen. Letztlich nahm die Alkohol-Gruppe immerhin leicht (wenngleich nicht signifikant) mehr ab. (0,8kg in 4 Wochen) (8).

Cordain et al verordneten 14 männlichen Probanden zunächst über 6 Wochen zu jedem Abendessen 270ml Rotwein während über 6 weitere Wochen Alkohol tabu war. Es gab keine sonstigen Vorgaben (free-living). Im Ergebnis konnte kein negativer Einfluss in Richtung Metabolismus oder Gewichtsmanagement aus der Verabreichung von Alkohol über Wein abgeleitet werden (9).

Weniger gute Ergebnisse finden sich aus dem Konsum von Bier. Aus der Studie von Bendsen et al geht hervor, dass schon einem moderaten Konsum von 500ml pro Tag positive Assoziationen mit der Entstehung von Übergewicht nachgewiesen werden können.

(Liegt dies am Alkohol oder möglicherweise an anderen Inhaltstoffen in Bier wie Hefe??)

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Resümee

Alkohol liefert erst einmal 7 Kalorien pro Gramm. Seine Verstoffwechslung unterliegt jedoch einem hohen thermischen Effekt, weshalb aus dem eigentlichen Brennwert eine wesentlich geringere Netto-Energiemenge hervorgeht. Neben diesem eigenständigen Effekt wirkt Alkohol auf der einen Seite zwar appetitanregend wenn er zusammen mit Mahlzeiten eingenommen wird, Hinweise deuten jedoch auch darauf hin, dass er die Verwertung anderer Nährstoffe vermag zu hemmen. Dieser Effekt ist für Sportler sicher als negativ zu bewerten, in Hinblick auf die Netto-Energiemenge sorgt er dennoch für eine Reduzierung! Beide Effekte zusammen sorgen wahrscheinlich für bekannte Langzeitergebnisse aus Studien die mit Verwendung geringer oder moderater Mengen Alkohol kein höheres Übergewichts-Risiko nachweisen.

Unterm Strich birgt die moderate Aufnahme von Alkohol nur ein geringes Risiko auf den Hüften zu landen! Da keine konkreten Werte genannt werden können bietet sich in der Praxis an, die ausgewiesenen Kalorien alkoholischer Getränke als „gegeben“ anzusehen, wohl wissend dass man sich damit aller Wahrscheinlichkeit nach einen kleinen kalorischen Puffer schafft.

Die Taktik Alkohol zu trinken um damit Kalorien zu sparen kommt für Sportlerinnen und Sportler aufgrund weiterer Effekte die von ihm ausgehen nicht in Frage!

Sportliche Grüße

Euer

Holger Gugg

Quellen

  1. http://www.hamsnetwork.org/metabolism/
  2. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12174324
  3. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8184963
  4. http://ajcn.nutrition.org/content/101/6/1320S.full
  5. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20096714
  6. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1753-4887.2011.00403.x/abstract
  7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6736783
  8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15356671
  9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9100213
  10. http://link.springer.com/book/10.1007/978-1-4614-3326-2
  11. Obesity Epidemiology – Frank Hu
  12. Alterations of Metabolites in the Nervous System – Abel Lajtha
  13. http://ajcn.nutrition.org/content/59/4/805.long
  14. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23356635