Ernährung, Gesundheit

Kann Frühstück das kardiovaskuläre Risiko verändern?

Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) stellen weltweit eine der häufigsten Todesursachen dar (6). Es wurden bereits etliche Maßnahmen getroffen um das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen besser abschätzen zu können. Die Bewertung des Aufkommens an Gesamtcholesterin sowie HDL (High-Density-Lipoprotein) zählt ebenso zu den Bezugsgrößen wie die Sichtung des Aufkommens anderer lipidverwandter Marker wie LDL-Cholesterin oder Apolipoprotein B (kurz: ApoB) (1-3). Bei ApoB handelt es sich um einen Bestandteil von LDL-Cholesterin, VLDL-Cholesterin und Lipoprotein (a). Die LDL-Größe scheint ebenso ein wichtiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse und das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit zu sein. Sie wurde aus diesem Grund vom National Cholesterol Education Program Adult Treatment Panel III als eigenständiger Risikofaktor akzeptiert (7). Besonders kleine, dichte LDL-Partikel  (small, dense LDL) weisen Atherosklerose fördernde Eigenschaften auf.  Mehrere neuere Studien haben unabhängige Beziehungen zwischen LDL- / HDL-Subklassen und dem Risiko für koronare sowie zerebrovaskuläre Erkrankungen gezeigt (4,5). Letzteres betitelt Schlaganfälle oder sonstige Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn.

Die Rolle der Ernährung

Es ist allgemein bekannt, dass die Ernährung, bzw. viel mehr die Fettsäurezusammensetzung eine Hauptrolle in der Regulierung von Plasmafetten spielt (8,9). Die Beziehung zwischen Ernährung und Cholesterin- oder Lipidmarkern im Blut ist jedoch komplex. Viele unterschiedliche Ernährungskomponenten können Cholesterinwerte beeinflussen. Die umstrittenste Komponente stellt Nahrungsfett dar und das sowohl hinsichtlich der Menge als auch in Hinblick auf die Fettsäurezusammensetzung (10,11). Eine prospektive Untersuchung beobachtete, dass der Austausch von 5% Fett aus gesättigten Fettsäuren mit einer äquivalenten Menge mehrfach ungesättigter Fettsäuren das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um 24% reduziert (13). Eine Meta-Analyse deutet an, dass selbst der Austausch von 1% gesättigter Fettsäuren durch mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine Abnahme der Plasma-Triglyceride, Gesamtcholesterin und des LDL-Cholsterins (LDL) begünstigt (14). Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass nicht Fettmenge und Fettverteilung von Bedeutung sind, sondern auch die Tageszeit, zu der es eingenommen wird (12). Eine neue Untersuchung wollte aus diesem Grund herausfinden, ob unterschiede in der Fettaufnahme zum Frühstück in der Lage ist, Plasma-Lipoproteine, Lipoprotein-Subfraktionen und Apoproteine zu verändern.

Die Studie

60 Frauen nahmen an der Studie teil. Alle hatten erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. 9 der 53 Frauen hatten bereits kardiovaskuläre Erkrankungen. 7 der 53 Frauen hatten Diabetes. Die Probandinnen wurden eingeteilt in 3 Gruppen:

  • Gruppe 1: mehrfach ungesättigte Fettsäuren (20g Margarine ohne Transfette)
  • Gruppe 2: gesättigte Fettsäuren (20g Butter)
  • Gruppe 3: einfach ungesättigte Fettsäuren (20g Olivenöl vergine)

Aus diesem ergab sich folgende Fettsäurezusammensetzung des Frühstücks:

Fette zum Frühstück

Jede der Teilnehmerinnen aß zunächst für 30 Tage das zugeteilte Frühstück. Anschließend wurde sie einer anderen Interventionsgruppe zugeteilt, bis sie alle drei Interventionen durchlief. Zwischen dem Wechsel von einer zur nächsten Intervention lag eine Pause von 45 Tagen. Die Probandinnen höheren Alters (~63 Jahre) wussten über den Aufbau der Studie Bescheid und wurden bewusst so ausgesucht, da sie einen ähnlichen Lebensstil besaßen.

Unterschiedliche Fettarten zum Frühstück

Neben der jeweiligen Fettquelle verzehrten die Probandinnen ein normales Frühstück aus fettarmer Milch (200 ml), Instantkaffee (1 Beutel à 18 g), Zucker (1 Beutel à 8 g) und zwei Weißbrottoasts . Zwischen den Testzeiträumen wurde das Frühstücksfett durch Ananassaft (200 mL) und Pfirsichschinken (50 g) ersetzt. Mit Ausnahme der Fettquelle war das Frühstück in allen Gruppen identisch. Die Freiwilligen wurden zu Beginn angewiesen, die zugewiesene Diät einzuhalten, ohne ihren Lebensstil (körperliche Aktivität, Schlafgewohnheiten, Mahlzeitenpläne usw.) während des Testzeitraums zu verändern. Gewicht, arterieller Blutdruck und Herzfrequenz wurden am ersten und letzten Tag (vor/nach) jeder der drei Frühstücksperioden unter Fastenbedingungen gemessen.

Die Ergebnisse

53 Frauen beendeten die Studie.  Die größten Effekte wurden bei HDL-Cholesterin festgestellt. Es stieg sowohl bei den mehrfach ungesättigten als auch bei den einfach ungesättigten Fettsäuren signifikant an. Mit der Aufnahme gesättigter Fettsäuren fiel das Aufkommen um 7%. Bei den mehrfach ungesättigten Fettsäuren nahmen auch die Lipoproteinfraktionen VLDL und IDL ab. Im Gegensatz zum dazu bewirkten gesättigte Fettsäuren eine Erhöhung der Lipoproteinfraktionen IDL-b und IDL-c. VLDL reduzierte sich signifikant. Der Rückgang an small dense LDL (LDL-4 und LDL-5) fand mit mehrfach ungesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren auf den ersten Blick nicht hoch aus (0,4 mg/mL bei LDL-4). Proportional zum, LDL-4 stellt dies jedoch einen Rückgang von 40% dar (15).

Fett zum Frühstück verändert das Cholesterinaufkommen

Mehrfach und einfach ungesättigte Fettsäuren reduzierten das Aufkommen an Chylomikronen. Betalipoproteine wurden mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren signifikant minimiert, während die Werte bei einfach ungesättigten und gesättigten Fettsäuren anstiegen. Prä-Betalipoprotein reduzierte sich bei gesättigten Fettsäuren und nahm bei mehrfach gesättigten Fettsäuren zu. Bei einfach ungesättigten Fettsäuren veränderte sich der Wert nur minimal. Insgesamt reduzierte das Frühstück mit einfach ungesättigten Fettsäuren die meisten Lipoproteine. Statistische Signifikanz wurde nur für HDL-Cholesterin erreicht.

Fett verändert Lipoproteine

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren erhöhten Apolipoprotein ApoAI und ApoE. Gesättigte Fettsäuren reduzierten Apolipoprotein ApoAI und ApoAII. Einfach ungesättigte Fettsäuren sorgten für einen Rückgang von ApoAII.

Fett verändert Blutfett auf unterschiedliche Arten

Die Ergebnisse im Überblick

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Frühstück

Einfach ungesättigte Fettsäuren

Einfach ungesättigte Fettsäuren und Frühstück

Gesättigte Fettsäuren

Gesättigte Fettsäuren und Frühstück

Fazit

Die Studie zeigt, dass eine einfache Erhöhung mehrfach und einfach ungesättigter Fettsäuren zum Frühstück ausreichen, um Lp(a), VLDL und IDL zu senken und den HDL-Spiegel zu erhöhen, so dass diese Fettarten insgesamt das Lipidprofil verbessern. Auch der Anstieg bei Apo-AI sowie die Abnahme von ApoB mit Aufnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren zum Frühstück deutet einen positiven Effekte auf das kv-Risiko an.

Interessant wäre gewesen, wie sich insbesondere die mehrfach ungesättigte Fettsäure Intervention entwickelt hätte, wäre der dominante Anteil an Fettsäuren nicht Omega 6 sondern auch Omega 3 in einem guten Verhältnis gewesen.

Unterm Strich ist es denkbar, dass eine einfache Anpassung, wie z.B. das Abändern der Fettmenge beim Frühstück, zur Förderung des Gesundheitszustands beitragen, insbesondere bei Patienten mit einem beeinträchtigten Lipidprofilen. Es bleibt spannend was und wie in diese Richtung weiter geforscht wird.

Es kann abschließend als sinnvoll angesehen werden, fettmoderat zu frühstücken und den dominanten Anteil der Fettsäuren aus ungesättigten Vertretern zu beziehen.

Quellen

*Grafiken aus: https://www.mdpi.com/2072-6643/12/6/1695