Ernährung, Gesundheit, Human Based Nutrition

Zu Effekten, Auswirkungen aber auch Side-Effects In Bezug auf die Verwendung von Süßstoff wird geforscht wie wild. Einerseits sind da die Studien am Menschen die Süßstoff nach wie vor eindeutige Vorteile im Vergleich zur Verwendung von Zucker aus gesundheitlicher Sicht (Diabetes, Übergewicht, metabolisches Syndrom) zusprechen. Andererseits finden sich immer wieder Angriffe gegen Süßstoff wie erst kürzlich „aus der Luft“, als Wang et al (getestet an Fruchtfliegen) zu belegen versuchte, dass die Verwendung von extrem hohen Mengen Süßstoff die Nahrungsaufnahme insgesamt erhöhen. (1,2,3,4,5)

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Die neueste Studie zum Thema stammt von Romo-Romo et al (53). Sie untersuchte den Einfluss sog. NNS (Non-Nutritive-Sweeteners) auf den Glukosestoffwechsel sowie die Appetitregulation.

In die Kategorie NNS fallen folgende Vertreter:

  • Acesulfam-K
  • Advantam
  • Aspartam
  • Neotam
  • Saccharin
  • Sucralose
  • Stevia
  • Luo Han Guo

Insgesamt waren 14 Beobachtungsstudien zum Zusammenhang zwischen NNS und der Entwicklung von Stoffwechselerkrankungen, 28 klinische Studien zu den generellen Auswirkungen von NNS auf den Stoffwechsel sowie 2 Meta-Analysen involviert, die sich mit dem Einsatz von NNS und der Entwicklung von Typ-2-Diabetes befassten. Hier einige der wichtigsten involvierten Untersuchungen inkl. Kernaussage:

Acesulfam-K

  • Härtel et al – keine Beeinflussung von Insulin oder Blutzucker an gesunden Probanden (6)
  • Bryant et al – keine Beeinflussung von Blutzucker oder Appetit verglichen mit Glucose (7)
  • Steinert et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GLP-1,Ghrelin, Peptid-YY (8)
  • Olalde-Mendoza et al – keine Beeinflussung des Blutzuckerspiegels (9)
  • Browm et al – erhöhte Werte bei GLP-1 bei gesunden Personen und Typ-1-Diabtikern (10)

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Aspartam

  • Nehrling et al – keine Beeinflussung Blutzucker und HbA1c an Diabetikern (11)
  • Okuno et al – keine Beeinflussung Insulin, Glukagon, Cholesterin, Triglyceride (12)
  • Colagiuri et al – keine Beeinflussung Blutzucker, HbA1c, HDL, Triglyceride (13)
  • Rodin et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, Glukagon, freie Fettsäuren, Kalorienaufnahme (14)
  • Melanson et al – keine Beeinflussung des Appetitverhaltens (15)
  • Hall et al – Keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GIP, CCK, Magenentleerung und Appetitverhalten (16)
  • Märsk et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, Ghrelin, GLP-1, GIP, Appetitverhalten, Durstverhalten (17)
  • Härtel et al – Niedrigeres Blutzuckeraufkommen verglichen mit Wasser aber nicht signifikant (18)
  • Bryant et al – keine sign. Beeinflussung Blutzucker, Appetitverhalten verglichen mit Glukose (19)
  • Steinert et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GLP-1, peptid-YY, Ghreln, Appetitverhalten verglichen mit Wasser (20)
  • Horwirt et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin oder Glukagon (21)
  • Temizkan et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, C-Peptid, GLP-1 verglichen mit Wasser (22)

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Saccharin

  • Cooper et al – keine Beeinflussung Blutzucker Insulin, Triglyceride (23)
  • Bryant et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Appetitverhalten verglichen mit Glukose (24)
  • Horwitzet al – keine signifikanten Unterschiede bei Blutzucker, Insulin, Glukagon verglichen mit Placebo (25)

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Stevia

  • Gregersen et al – Stevioside zeigen insulinogene Effekte aber keine Beeinflussung Insulin, Blutzucker, GLIP-1 oder GIP (26)
  • Barriocanal et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, HbA1c verglichen mit Placebo (27)
  • Maki et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, HbA1c, C-Peptid, Blutfett und Blutdruck (28)
  • Anton – Insulinogene Effekte, sonst keine Unterschiede bzgl. Hunger- und Sättigungsverhalten (29)

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Sucralose

  • Mezitis et al – Beine Beeinflussung Blutzucker, C-Peptid über 4 Stunden vergleichen mit Placebo (30)
  • Grotz et al – Keine Beeinflussung Blutzucker, C-Peptid, HbA1c verglichen mit Placebo (31)
  • Ma J et al – Sucralose-Infusion ohne Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GIP, GLP-1, Insulin, Magenentleerungsrate (31, 32)
  • Ford et al – Keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GLP-1,Peptid-YY, Nahrungsaufnahme, Appetitverhalten verglichen mit Placebo (33)
  • Brown et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, Glukagon, Triglyceride, Appetitverhalten und Wohlbefinden (34)
  • Wu T et al — keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GLP-1, GIP, Magenentleerungsrate verglichen mit 40g Glukose (35)
  • Pepino et al – Erhöhung Blutzucker und Insulinspiegel, Beeinträchtigung Insulinsensibilität an adipösen Probanden, keine Beeinflussung GLP-1, Glukagon (36,37)
  • Steinert et al – keine Beeinflussung Blutzucker, Insulin, GLP-1, Peptid-YY, Ghrelin oder Appetitverhalten verglichen mit Wasser (38)
  • Temizkan et al – Reduzierte Blutzuckerwerte, erhöhte Werte bei GLP-1 an 8 Typ-2-Diabetikern. Insulin und C-Peptid wurden nicht beeinflusst (39)

Fazit

Ein Großteil der Studien spricht sich für ausbleibende Effekte von NNS auf den Blutzucker, das Insulinaufkommen sowie auf die Steuerung von Hunger und Sättigung aus.

Auffällig der nur bei Stevia aufgezeigte blutzuckerstabilisierende Effekt (Insulin-Index). Er könnte als Pro-Argument für die Verwendung von Stevia als Zuckerersatz gelten, sollten auch Folgestudien sich hierfür aussprechen

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NNS und Stoffwechselstörungen (Diabetes Typ-2)

Eine Vielzahl an Beobachtungsstudien hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Einfluss von Süßstoff auf Stoffwechselstörungen, insbesondere das Diabetes-Typ-2-Risiko befasst.

Bei Bhupathiraju et al aus der Erhebung Nurse-Health mit 74749 Frauen ergab sich auf den ersten Blick eine Risikoverringerung in Verbindung mit der Aufnahme von Koffein sowie eine Risikoerhöhung mit der Verwendung von NNS. Die Assoziation verlor sich jedoch wenn BMI und Kalorienzufuhr gleichzeitig mit berücksichtigt wurden (40)*. Schulze et al werteten ebenfalls Nurse Health aus und fanden keinen Zusammenhang zwischen NNS und Diabetes Typ 2 (41). Ähnliche Ergebnisse und fehlende Assoziationen mit Berücksichtigung des BMI finden sich auch aus Erhebungen mit Männern wie bei De Koning et al (42) mit 40.000 Probanden und Ramaquera et al (43) mit 340234 Probanden sowie bei etlichen weiteren Untersuchungen (43-47).

*Wie es scheint greifen gerade übergewichtige Personen besonders gern zu NNS-Getränken und verfälschen darum hier das statistische Ergebnis

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Auf Seite beständiger Ergebnisse auch nach Relativierung um dem BMI lassen sich Studien wie die von Nettleton et al (48) mit Verabreichung von Diät-Cola, Fagherazzi et al (49) oder Sakurai et al (50) an japanischen Frauen anführen. Eine Meta-Analyse von Greenwood et al (51) mit 4 involvierten Studien sprach sich für ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko aus wenn regelmäßig 330ml NNS-Getränk pro Tag getrunken werden. Die Risikoerhöhung fiel jedoch mit dem Faktor 1,13 nur sehr gering aus. Bei Imamura et al (52) (15 involvierte Studien) verlor sich wie bei etlichen Einzelstudien der echte Zusammenhang unter Berücksichtigung des BMI der Probanden.

Resümee

„Soll mir nochmal einer mit einer Einzelstudie zu Süßstoffen kommen die sich für eine bestimmte Richtung ausspricht.“ Ich denke mit dem heutigen Artikel ist zumindest eines klar, es existieren ETLICHE Studien mit unterschiedlichsten Aufbauten zu NNS, da kann eine Einzelstudie nichts ausrichten und wenn sie noch so gut aufgebaut ist.

Unterm Strich zeigen der heutige Beitrag und in diesem Zusammenhang die derzeit aktuellste Übersichtsarbeit zum Thema das nach wie vor stichhaltige und eindeutige Belege fehlen die Süßstoffen negative Veränderungen des Glukosestoffwechsels oder des Appetitverhaltens nachweisen.

Bleibt bei der aktuell geltenden Wahrheit und in diesem Zusammenhang bei einem gemäßigten Umgang mit Süßstoff ohne Euch davor zu fürchten oder Euch von irgendjemandem Angst einreden zu lassen. Nach wie vor gilt: „BESSER SÜSSSTOFF ALS ZUCKER“

Sportlicher Gruß

Holger Gugg

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Quellen

  1. http://www.body-coaches.de/aspartam-die-ganze-wahrheit-ueber-diesen-suessstoff
  2. http://www.body-coaches.de/macht-suessstoff-in-der-schwangerschaft-unsere-kinder-dick
  3. http://www.body-coaches.de/machen-suessstoffe-nun-doch-schneller-dick
  4. http://www.body-coaches.de/suessstoffe-und-hbn-fruehstueck-im-blutzucker-test
  5. https://www.facebook.com/HolgerGuggbodysoul/photos/a.546591808774922.1073741827.545946712172765/812764472157653/?type=3&theater
  6. http://www.sweeteners.org/en/resource/diabetes-care/the-influence-of-sweetener-solutions-on-the-secretion-of-insulin-and-the-blood-glucose-level
  7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24595225
  8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21255472
  9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24934070
  10. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22410815
  11. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3902420
  12. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3522147
  13. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2672774
  14. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2178391
  15. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10690159
  16. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12782208
  17. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22252107
  18. http://www.sweeteners.org/en/resource/diabetes-care/the-influence-of-sweetener-solutions-on-the-secretion-of-insulin-and-the-blood-glucose-level
  19. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24595225
  20. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21255472
  21. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3046854
  22. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25271009
  23. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2975554
  24. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24595225
  25. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3046854
  26. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14681845
  27. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18397817
  28. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18555575
  29. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20303371
  30. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8875098
  31. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14647086
  32. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19221011
  33. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20420761
  34. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21245879
  35. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22153513
  36. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22158727
  37. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23633524
  38. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21255472
  39. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25271009
  40. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23151535
  41. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15328324
  42. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21430119
  43. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23620057
  44. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18663160
  45. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17646581
  46. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18212291
  47. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22378729
  48. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19151203
  49. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23364017
  50. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23364017
  51. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24932880
  52. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26199070
  53. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27537496

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