Allgemein, Training

 

Jedes Jahr breche ich aus meinem gewöhnlichen „Studio-Alltag“ aus und suche mir eine Herausforderung fernab von der Maximalkraftleistung beim Bankdrücken, mehr Bizepsumfang oder noch breiteren Oberschenkeln. In 2016 brachte mich dieses Vorhaben auf die große Bühne von NINJA WARRIOR GERMANY, für 2017 hatte ich mir meinen aller ersten Hindernislauf vorgenommen und mich für TOUGH MUDER angemeldet. Wie ich mich vorbereitet habe, meine Erlebnisse und mein Rat wem ich eine Teilnahme empfehle (bzw. wem nicht :-)) erfahrt ihr im heutigen Beitrag.

ERST MAL ANMELDEN DANN FRAGEN STELLEN

Es ist beinahe schon typisch für mich. Ich schnappe eine Sache auf, denke mir „geil das musst du machen“, melde mich an und erst DANN beginne ich mich überhaupt damit zu befassen in welche Scheiße ich mich da wieder geritten habe 🙂 Bei Tough Mudder war es genau so. Ich habe mich nach dem regional nahsten Contest erkundigt,  mich angemeldet und das Ganze direkt erst einmal im Social-Media angekündigt um den Druck zu erhöhen. Irgendetwas stand da von „Halbe Strecke“ und „Volle Strecke“ — ich habe es ignoriert denn wer macht schon halbe Sachen? Der Clou bei der Sache war, dass ich nicht nur mich sondern auch meine Freundin Juliane angemeldet habe d.h. egal was mich erwarten würde, SIE musste da mit durch. Die Freude war RIESIG 🙂

MUDDER GUIDE – Die beste Erfindung seit es Tough Mudder gibt

Nach meiner Anmeldung und der Bekanntgabe des Starts an meine gesamte Community holte mich dann doch irgendwann die Vernunft ein. Prompt schrieb ich meinem alten „Ninja-Kollegen“ Michael Wohlfart von dem ich wusste, dass er sich bei Tough Mudder stark organisiert. Tatsächlich war er mit seinem Auftritt MUDDER-GUIDE die beste Anlaufstelle die man kriegen kann. Auf seiner Seite finden Interessierte wirklich ALLE Infos. Um überhaupt einen Einblick zu bekommen was mich erwartet, habe ich einen Blick in den „Ultimativen Mudder Guide“ geworfen. Jetzt fing es langsam an mulmig zu werden:

  • Eine Distanz von 16-18 km
  • Mindestens 20 Hindernisse
  • Matsch, Eiswasser, Stromschläge
  • Ein Stirnband, ein T-Shirt und ein Bier als „Trophäe

DIE HINDERNISSE

(Hier nur einige wenige Beispiele aus dem dem Mudder Guide um Euch einen kleinen Eindruck zu verschaffen. Besucht hierzu unbedingt die Seite https://mudder-guide.de/)

Beim Arctic Enema rutschst du von einer Röhre in 4°C kaltes Eiswasser – einmal die Rampe verlassen, gibt es kein Zurück mehr! ….musst du in der Mitte unter einem Brett hindurch, was je nach Wasserstand einen zusätzlichen Tauchgang erforderlich machen kann.

Bei Balls to the Wall musst du dich mit Hilfe eines Taus an einer in etwa fünf Meter hohen Wand hochziehe und dich an der anderen Seite wieder langsam ablassen.

Bei diesem Hindernis musst du durch herunterhängende Stromkabel sprinten und 10.000 Volt über dich ergehen lassen.

Kurzum geht es darum, eine rutschige Halfpipe zu bezwingen – ohne eine geballte Ladung Teamwork kaum machbar! Teilweise ziehen hier fünf Mudder gleichzeitig den nächsten hoch und man kann hier das eine oder andere filmreife Drama beobachten.

Im MUDDER-GUIDE findet ihr alle Infos rund um Tough Mudder — Meine No. 1 Empfehlung für jeden der vor hat ein Mudder zu werden!

COMPPREP — Mein Training für Tough Mudder

Der Feind war bekannt, nun hieß es sich bestmöglich darauf vorzubereiten. Für mich stand fest, dass ich meine Ausdauerleistung insbesondere im Bereich GA1 etwas auf Vordermann bringen musste. Zwar müssen die 18km nicht in einem Zug durchlaufen werden, 20 Hindernisse auf 18km bedeuten dennoch im Durschnitt Strecken von 0,9km von Hindernis zu Hindernis und das eben 20x — eine einfache Rechnung. 4 wöchentliche Ausdauereinheiten von je 60 Minuten mit niedriger bis moderater Intensität am Laufband hielt ich für am ehesten angebracht neben meinem üblichen Krafttrainings-Protokoll zu involvieren. Seit meiner Vorbereitung auf Ninja Warrior besuche ich dazu regelmäßig die Boulderhalle und machte mir aus diesem Grund um all die Hindernisse die mit Hangeln  und Klettern zu tun haben keine großen Sorgen.

Regelmäßiges Krafttraining, Bouldern und zusätzliches Training der Grundlagenausdauer — mein Schlachtplan für Tough Mudder

DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG

Neben der körperlichen Vorbereitung gilt es für einen solchen Lauf auch in Sachen Ausrüstung bestens gewappnet zu sein. Funktionsbekleidung kann ich nur empfehlen, da es sogar im September durch immer wieder neue Schlamm- und Wasserlöcher teilweise richtig kalt wurde. Solange man in Bewegung ist — kein Thema, problematisch und wirklich ungemütlich wird es an den Hindernissen an denen es zu Wartezeiten kommt. Wer hier mit durchnässten Baumwollklamotten am Hindernis steht hat verloren!

Anmerkung – Meine lange Funktionshose habe ich mir beim Krabbeln und Robben über die Hindernisse ruiniert – hier vielleicht eine kurze Hose beschaffen!

Sicheres, festes Schuhwerk mit einem guten Profil wäre meine nächste Empfehlung. Bei meinem Laufschuh war entscheiden zu wenig „Grip“ auf der Sohne mit dem Ergebnis, dass ich mich etwas öfter als andere Mitstreiter im Schlamm gesuhlt habe 🙂 Wasserabweisende Schuhe halte ich dagegen für Quatsch! Das Wasser kommt nicht nur von außen sondern auch von oben – Geld sparen!

Dann hatte ich die glorreiche Idee, mir für die Kletterdisziplinen Handschuhe mit in meine Bauchtasche zu packen. Kurzum — vergesst es! Ein nasser Kletterhandschuhe ist um Längen schlechter als gleich ohne Handschuh ans Hindernis zu gehen.

Zwar ist an regelmäßigen Stationen für das leibliche Wohl der Läufer mit Wasser, Bananenstücken und teilweise auch Keksen gesorgt, wir hatten uns dennoch Dextrose und HBN EAA CODE wasserdicht verpackt. Bei mehreren Stunden auf Achse keine schlechte Sache!

Bevor man an den Start bei Tough Mudder geht, muss man sich auf jeden Fall um die richtige Ausrüstung kümmern. Beim mehrstündigen Parcours macht es zudem Sinn, Dextrose und EAA an Bord zu haben. ABER — Was nicht absolut wasserdicht verpackt ist übersteht nicht einmal die erste halbe Stunde 🙂

ES IST SOWEIT- AB IN DEN PARCOURS

Dann war es soweit. Mit geladenen Kohlenhydratspeichern im Vorfeld, großer Vorfreude aber auch einem mulmigen Gefühl haben Juliane und ich die Reise am Tag X angetreten, holten unsere  Startnummer und dann ging es nach einem kurzen Warm-Up mit letzten Instruktionen direkt in den Parcours.

Traditionell vor dem Start das offizielle Tough-Mudder-Gelöbnis

Da ich mich getraut habe meine GoPro mit an den stark zu nehmen, konnte ich immerhin ein paar Eindrücke von Lauf sammeln.

Dieses Bild entstand nach dem zweiten Hindernis

….. das hier nach dem 3. Kilometer

…. hier hatten wir bereits gut die Hälfte der Strecke hinter uns

MEINE EINDRÜCKE

18 Kilometer und 20 Hindernisse klingt erst einmal nach viel und nach einer sportlichen Herausforderung für die man außergewöhnlich gut vorbereitet sein muss. Die Tatsache, dass Tough Mudder kein zeitliches Limit vor vorgibt, man folglich sein eigenes Tempo macht und der Parcours als Team-Aufgabe zu verstehen ist bei dem es nicht darauf an kommt der Schnellste zu sein, sondern darum anderen Läufern zu helfen, macht Tough Mudder zu einer „machbaren“ Angelegenheit. Wenngleich ich selbst diese Option nicht für mich genutzt habe, besteht an den Hindernissen zudem immer die Möglichkeit diese zu umgehen ohne den Lauf vorzeitig beenden zu müssen.

Mental stößt man bei Tough Mudder an seine Grenzen wenn man aus irgendwelchen Gründen anfängt zu frieren – dann wird es richtig ungemütlich! Da ich für gewöhnlich nicht 18 Kilometer am Stück laufe hatte ich mir die Tage nach dem Parcours fruchtbar vorgestellt dem war aber Gott sei Dank nicht so. Nicht einmal eine Blase an den Füßen habe ich davon getragen, was sicher auch meinem Schuhwerk geschuldet war.

Tough Mudder ist etwas für Leute denen es Spaß macht sich im Schlamm zu suhlen, die gerne im Team arbeiten, sich mit Vorliebe in der Natur aufhalten und sich nicht davor scheuen in die Höhe zu klettern, Wasserlöcher zu überwinden und sogar Stromschläge auszuhalten. Eine definitiv willkommene Abwechslung vom sonstigen Alltag für die man kein Hochleistungssportler sein muss!

WAS HAT ES MIT DEN STIRNBÄNDERN AUF SICH?

Das orang-farbene Stirnband sagt aus, dass ich einmal erfolgreich über die volle Strecke bei ToughMudder mitgemacht habe. Ihr erkennt die „Halb-Strecken-Muschis“ am weißen Stirnband hihihi… Weitere Farben zeigen, wie oft der jeweilige Träger bereits teilgenommen hat.

RESÜMEE

JA — ICH HABE ES GESCHAFFT

JA — ICH WERDE ES WIEDER TUN

Sportlicher Gruß

Euer

Holger Gugg