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DAS CASTING

Nachdem ich 2017 eine Ninja-Warrior Pause eingelegt hatte stellt ich mich im Januar 2018 erneut dem Casting zur stärksten Show Deutschlands in München.

Für alle die es interessiert – bevor man die Chance zur Teilnahme an der Sendung bekommt muss man sich in einem der Castings durch einen Parcours aus mehreren Aufgaben kämpfen. Nur wer „auffällt“ und Tauglichkeit beweist kann mit einer Zusage zur Show rechnen!

 Ohne mich selbst zu loben lief es für meine Verhältnisse außerordentlich gut 🙂

Beim Casting traf man etliche Bekannte aus 2016, der Fun-Faktor betrug 100% und nach 4 Stunden trat ich mit einem guten Gefühl die Heimreise an.

DU BIST DABEI

Eine kleine Email die alles verändert!

Jetzt hieß es VOLLGAS geben und direkt in die Vorbereitung einsteigen. Obwohl ich nicht gerade als Favorit gehandelt wurde war das auserkorene Ziel die Leistung aus 2016 zu toppen!

DIE VORBEREITUNG

In den kommenden Wochen lief es eigentlich hervorragend. Ich reduzierte mein klassisches Bodybuilding-Training auf 3 Einheiten wöchentlich, strebte einen Gewichtsverlust von 5kg an, erhöhte in diesem Zuge auch das Cardiotraining und versuchte die verbleibende Zeit in spezifisches Training zu investieren. In 2016 stand mir hierfür lediglich eine Boulderhalle zur Verfügung. Natürlich nutzte ich diese Möglichkeit erneut.

Glücklicherweise eröffnete in 2018 der JUMP TOWN TRAMPOLINPARK AUGSBURG mit eigenem Ninja Warriors Parcours. Ich erhielt die Chance mich dort im Rahmen eines Sponsorings vorzubereiten und war happy. JETZT konnte es richtig los gehen!

Ich war fit, selbstbewusst und in jedem Falle deutlich besser vorbereitet auf Ninja Warrior Germany als noch 2016! ES KONNTE LOS GEHEN!

DIE SHOW

Dann war es soweit. Die Anreise nach Karlsruhe gestaltete sich etwas ruppig da wir eine Autopanne hatte (besten Dank an dieser Stelle an W&W-Reiferservice und insbesondere an Andi – DU SACK!! :-)) Wir schafften es dennoch am Vorabend zum Hotel, konnten noch eine Kleinigkeit essen und dann hieß es ab in die Falle.

Der Show-Tag fing für mich sehr früh an (wie ihr sicher sehen werdet) da der Dreh eines Image-Trailers vor dem eigentlichen Lauf auf dem Programm stand. Freut euch auf das Ergebnis!

Backstage war ich dann einer der Wenigen denen es gestattet wurde mit dem Smartphone zu dokumentieren, weshalb ich euch auch hier einige Eindrücke vermitteln kann.

Die LISTE DES TODES – Wenn dein Name hier drauf steht geht dir der Arsch auf Grundeis DAS ist sicher 🙂

Vor dem Lauf müssen alle Teilnehmer an einer Unterweisung am Parcours Teil nehmen. Besprochen werden alle Regeln und Sicherheitsbestimmungen.

Da ich es schon oft gefragt wurde: NEIN keiner der Teilnehmer betritt den Parcours vor seinem Lauf. Für alle von uns ist es eine einmalige Sache!

Hier mein letztes Lebenszeichen vor dem Lauf der alles verändern sollte – leider anders als erhofft!

In der Halle angekommen ist man schier überwältigt von der Atmosphäre. 1000% Adrenalin und man möchte es eigentlich nur noch hinter sich bringen. Gott sei Dank war meine Familie mitsamt Fanclub aus dem JUMP TOWN TRAMPOLINPARK AUGSBURG mit angereist um mich an zu feuern.

MEIN LAUF

Dann war es soweit. Ich wurde auf die Plattform gebeten für meinen Lauf. Körperlich und mental war ich wirklich gut vorbereitet. Eine gesunde Nervosität war vorhanden und trotz all der Eindrücke die man in diesen wenigen Sekunden bis zum Start verarbeiten muss versuchte ich fokussiert zu bleiben und wartete das Startsignal ab.

Etwas desorientiert habe ich das Wasserbecken verlassen, wollte mich auf meine Beine stellen und dachte bei mir: „Moment irgend etwas stimmt hier nicht – ich kann weder laufen noch auf beiden Beinen stehen“. Das Team brachte mich hinter die Bühne wo schon der Doc auf mich wartete. Ich zeigte auf die Stelle die nicht nur schmerzte sondern sich auch sehr instabil anfühlte – die Achillessehne. Hier bekam ich erst einmal Entwarnung und einen Eisbeutel. Wortwörtlich wie ein nasser Hund und zugegeben sehr traurig habe ich dann nach etwa 1 Stunde die Show offiziell wieder verlassen. So kann es gehen!

SZENENWECHSEL – NACH DEM LAUF – WAS IST PASSIERT?

Die Enttäuschung des schlechten Laufes noch nicht ganz verarbeitet, habe ich mich 2 Tage später so wiedergefunden:

DIAGNOSE – ACHILLESSEHNEN-RUPTUR

Zu gut deutsch habe ich mir an Hindernis 3 die Achillessehne und damit die dickste Sehne des menschlichen Körpers abgerissen. Dieses Ereignis führte zu meinem unschönen Abgang den ihr alle sicher schon bei RTL bestaunt habt.

In 23 aktiven Jahren als Sportler hatte ich bis dato nicht eine Sportverletzung und nun das. Achillessehnen-Abriss bedeutete in meinem Fall OP und danach ein mindestens 12-wöchiges Programm aus Ruhe und Reha.

EINE FRAGE DER EINSTELLUNG

Erst wusste ich tatsächlich nicht so Recht wie ich damit umgehen sollte, habe mich dann aber dafür entschieden das Ganze als neue Herausforderung zu sehen. Schon 2 Tage nach der OP betrat ich bestückt mit Stiefel, Krücken sowie allen möglichen Faszienbällen und -rollen wieder das Studio. Eine Verletzung der Achillessehne bedeutete für mich folgendes:

– KEINE Einschränkung des Oberkörpertrainings

– Mindestens 12 Wochen kein Training der linken Wade (von der rechten Wade hat niemand etwas gesagt 🙂 )

– Die große Herausforderung keine Muskulatur an den Oberschenkeln zu verlieren

– Die große Herausforderung die Heilung möglichst schnell voran zu treiben

Und so legte ich los:

Das Training des Oberkörpers lief verhältnismäßig gut. Ich konzentrierte mich zunächst auf Maschinentraining und versuchte später Übungen wie beispielsweise am Turm auf einem Bein zu trainieren – KEIN PROBLEM

Die Folterinstrumente der ersten Wochen. Neben einer Menge Physiobehandlungen habe ich mein verletztes Bein beinahe täglich mit Faszienrolle und Faszienball behandelt. Ich kann jedem nur den Tipp geben dies eben so zu machen! Aus jetzt eigener Erfahrung weiß ich wie schnell Muskeln und Sehnen bei Immobilität verkleben und wie schwierig und schmerzhaft es sich gestaltet dies wieder zu beheben. Neben Trainingsmaßnahmen habe ich mir selbst Wobenzym, bioaktive Kollagenpeptide und Vitamin C verordnet. Alles samt sollte die Heilung beschleunigen und mich schnell wieder auf Vordermann bringen.

Beintraining gestaltete sich natürlich sehr schwierig. Übungen wie Kniebeugen, Kreuzheben und auch die Beinpresse waren erst einmal tabu. Gott lob gibt es in der heutigen Zeit Maschinen für Beinstrecker und Beinbeuger! Ich habe nicht akzeptiert nicht trainieren zu können und letztlich musste ich das auch nicht.

Neben dem Versuch ein zumindest mittelmäßiges Training am Gerät auszuführen verpasste ich mir in den ersten postoperativen Wochen zusätzlich EMS-Sitzungen.

Hier seht ihr nun die Entwicklung meiner Oberschenkelmuskulatur im Verlauf von 6 Wochen nach der Operation (von links oben nach rechts unten)

Hätte ich all das nicht unternommen wäre eine gute und gleichmäßige Oberschenkel-Entwicklung erst einmal für wer weiß wie lange vom Tisch gewesen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags bin ich in der 12. post-operativen Woche, habe Reha-Behandlungen abgeschlossen, trainiere Beine wieder vollumfänglich und versuche mich auch bereits wieder mit sehr leichtem Wadentraining.

RESÜMEE

Aus Sicht eines Ninja Warriors kann man diese Geschichte nicht schön reden. Sich monatelang vorbereiten und dann nicht abliefern ist mit einem Wort beschrieben „Scheiße“!

Aus Sicht eines Sportlers und auch Coaches hat mich die vergangene Zeit wieder einiges gelehrt. Bis dato konnte ich mich nicht zu 100% in verletzte Sportler hineinversetzen da ich die Erfahrung selbst nie gemacht hatte. Ich bin jetzt schlauer und weiß, dass es gerade mit einer Verletzung umso wichtiger ist die Zügel niemals locker zu lassen sondern noch mehr zu tun, sowohl auf Seiten von Training als auch bei der Ernährung. Auch mental habe ich eine bereichernde Erfahrung erleben dürfen. Auf einmal zählt es nicht mehr sportliche Höchstleistung zu erbringen und Ninja Warrior Germany zu werden, sondern einfach nur möglichst schnell wieder gesund zu werden und (wie in meinem Fall) überhaupt erst wieder laufen zu können.

Die Moral von der Geschichte lautet „GESUNDHEIT IST DAS HÖCHSTE GUT“! Auch wenn ihr denkt ihr seid unsterblich lasst euch gesagt sein – NEIN, darum gebt auf euch Acht. Wenn euch  ein Schicksalsschlag ereilt steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern nehmt die Herausforderung an die das Lebens an euch stellt und gebt alles!

Für 2018 schließt sich mit diesen Zeilen das Kapitel NINJA WARRIOR GERMANY. Ich werde mir die Zeit geben die es bedarf meine Verletzung vollständig zu kurieren und NEIN ich schließe es nicht aus getreu dem Motto „Aller guten Dinge sind 3“ noch einmal einen Versuch zu wagen!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine verletzungsfreue und erfolgreiche Zeit

Euer

Holger Gugg