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Habt ihr schon mal vom „Kohlenhydrat-Insulin-Modell“ gehört? In kurzen Worten geht es dabei um die Behauptung, die Aufnahme hoher Mengen an Kohlenhydraten würde über eine provozierte hohe Ausschüttung von Insulin Übergewicht fördern, da:
– Insulin den Aufbau von Fettspeichern fördert
– Insulin den Abbau von Fettspeichern hemmt
– Insulin die Fettoxidation und so den Fettstoffwechsel hemmt
– Insulin zellulären Hungerzustand intiiert der vermehrten Hunger und ausbleibende Sättigung fördert was wiederum für positivere Energiebilanz sorgt
 
Starke Anschuldigungen die angesichts bekannter Eigenschaften von Insulin irgendwo logisch erscheinen oder?
 

NICHT DIE GANZE WAHRHEIT

Ein aktueller Review von K D Hall (1) stellt die Aussagefähigkeit des KH-Insulin-Modells mangels fehlender eindeutiger Beweise zur Diskussion. Hier stellen wir Euch die wichtigsten Aussagen vor, die allesamt mit hinreichenden Quellenverweisen im Review untermauert sind:
1.
Es gibt nur sehr wenige Studienaufbauten die High-Carb und Low-Carb-Diäten mit identischen Proteingehalt vergleichen was angesichts der Tatsache von Bedeutung ist, dass Protein mitunter stärker thermogen wirkt als andere Makronährstoffe
2.
Studien mit gutem Aufbau (gleicher Proteingehalt, isokalorisch) zeigen zwar ein reduziertes Aufkommen an Insulin sowie einen Anstieg der Fettoxidation dank Low (No) Carb, nicht jedoch einen daraus resultierend besseren Gewichts- oder Körperfettverlust
 
3.
Aussagen zu einer Erhöhung des Grundumsatz (GU) oder Gesamtenergieumsatz (TDEE) ausgehend von kh-armen Diäten fallen völlig unterschiedlich aus. Im Falle einer positiven Beeinflussung liegt der echte Mehrwert meist unter der als physiologisch bedeutsam anzusehenden Schwelle (im Beispiel wurden 57kcal erhöhter TDEE gemessen bei einem Schwellenwert von 150kcal/Tag (3))
4.
High-Carb fördert offensichtlich eine stärkere Speicherung von Energie nach erfolgter Gewichtsabnahme. Hierzu bestehen allerdings auch gegenläufige Aussagen wie die von Horton et al (2). Die Forscher bescheinigen Fett-Overfeeding hier ein signifikant höheres Potenzial Fettspeicher wieder zu befüllen.
5.
Ketogene Diäten halten dennoch den NEAT (non-exercise activity thermogenesis) nach erfolgter Gewichtsreduktion erhöht und verhelfen zudem via Ketonkörperbildung zu einer Verringerung des Appetitaufkommens
 

Reümee

Erfolgreiche Gewichtsreduktion funktioniert bei Übergewichtigen in erster Linie über Kaloriendefizit, eine ausreichend hohe Versorgung mit Protein und (wenngleich nicht eindeutig thematisiert) über eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen. Dahinter gestaltet es sich aller Wahrscheinlichkeit nach individuell welche Person nochmals besser mit hoher oder reduzierter Kohlenhydratzufuhr in der Lage ist abzunehmen. Zweit bedeutensdter Faktor nach oben genanntem ist ganz klar BEWEGUNG! Interessant könnte sich der Einsatz kohlenhydrat-armer (ketogener) Diäten insbesondere NACH erfolgter Gewichtsabnahme gestalten. Das Kohlenhydrat-Insulin-Modell wird insgesamt gestützt von einer unklaren Datenlage und darf aus diesem Grund nicht für allgemein verbindlich erklärt werden! Insulin ist nicht der Todfeind für den ihn viele halten und unterm Strich verliert so auch das Fundament der ketogenen Diät für erfolgreiche Gewichtsreduzierung bei Übergewichtigen an Festigkeit.
Sportlicher Gruß
Holger Gugg
 
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Quellen
(1)

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